Muss ich mein OnlyFans-Einkommen in Deutschland versteuern?
5 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-10-26
Kurz gesagt
Ja. Einnahmen aus OnlyFans sind in Deutschland steuerpflichtig, auch wenn die Plattform im Ausland sitzt und in Dollar abrechnet. Zusammen kommen Einkommensteuer auf den Gewinn – 2026, sobald dein gesamtes zu versteuerndes Einkommen über dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro liegt –, Umsatzsteuer, wenn die Kleinunternehmerregelung nicht greift, und Gewerbesteuer, sobald der Gewinn 24.500 Euro übersteigt.
Dieser Beitrag ordnet die Bereiche, die dabei zusammenkommen, und nennt die Grenzen, die 2026 gelten. Er ersetzt keine Steuerberatung, und dieser Satz ist ernst gemeint.
Warum das Finanzamt davon weiß
Die Zeiten, in denen Plattform-Einnahmen unter dem Radar liefen, sind vorbei. Seit 2023 melden Plattformen, die unter das Plattformen-Steuertransparenzgesetz fallen, Name, Steuer-ID und Einnahmen ihrer Anbieter an das Bundeszentralamt für Steuern. Was das für OnlyFans als britische Plattform heißt, steht unter Meldet OnlyFans ans Finanzamt? Auszahlungen auf ein deutsches Konto sind ohnehin sichtbar. Die Frage ist also nicht, ob das Finanzamt davon erfährt, sondern ob du vorbereitet bist, wenn es sich meldet.
Wer Einnahmen jahrelang nicht angibt, riskiert Nachzahlungen mit Zinsen und im Ernstfall ein Steuerstrafverfahren. Wer von Anfang an sauber arbeitet, hat dagegen selten Ärger.
Um welche Steuerarten es geht
In der Praxis treffen drei Bereiche zusammen:
- Einkommensteuer auf den Gewinn, also Einnahmen abzüglich Betriebsausgaben
- Gewerbesteuer, sobald der Gewinn über dem Freibetrag für Einzelunternehmer liegt
- Umsatzsteuer, abhängig davon, ob die Kleinunternehmerregelung greift
Dazu kommt die Krankenversicherung: Wer hauptberuflich selbständig ist, versichert sich selbst, und diese Beiträge werden regelmäßig unterschätzt.
| Steuerart | Bemessung | Wann sie greift |
|---|---|---|
| Einkommensteuer | Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) | ab dem ersten Euro Gewinn |
| Gewerbesteuer | Gewerbeertrag | sobald der Gewinn über dem Freibetrag für Einzelunternehmer liegt |
| Umsatzsteuer | Umsatz | wenn die Kleinunternehmerregelung nicht greift |
| Krankenversicherung | Einkommen | bei hauptberuflicher Selbständigkeit |
Die letzte Zeile ist keine Steuer und wird trotzdem hier aufgeführt, weil sie im Alltag wie eine wirkt: Sie kommt zeitversetzt, sie bemisst sich am Einkommen, und sie wird regelmäßig unterschätzt.
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Zur BewerbungDie Grenzen für 2026
| Grenze | Betrag 2026 | Was sie bedeutet |
|---|---|---|
| Grundfreibetrag | 12.348 € | bis zu diesem zu versteuernden Einkommen fällt keine Einkommensteuer an |
| Freibetrag bei der Gewerbesteuer | 24.500 € Gewerbeertrag | nur der Teil darüber zählt; bei Creatorn ist der Gewerbeertrag meist der Gewinn |
| Kleinunternehmerregelung | höchstens 25.000 € Umsatz im Vorjahr und 100.000 € im laufenden Jahr | keine Umsatzsteuer auf deine Rechnungen, dafür kein Vorsteuerabzug |
Der Grundfreibetrag gilt für dein gesamtes Einkommen, nicht für OnlyFans allein: Wer nebenbei angestellt ist, hat ihn mit dem Gehalt meist schon ausgeschöpft. Die Gewerbesteuer klingt für Einzelunternehmer schlimmer, als sie meist ist. Sie wird bis zum Vierfachen des Steuermessbetrags mit der Einkommensteuer verrechnet; liegt der Hebesatz deiner Gemeinde bei höchstens 400 Prozent, gleicht sich das in der Regel weitgehend aus.
Einkommensteuer und Gewerbe
Content-Erstellung mit Gewinnabsicht ist in aller Regel eine gewerbliche Tätigkeit. Das heißt: Gewerbe anmelden, Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen, jährlich eine Gewinnermittlung abgeben.
Versteuert wird der Gewinn, nicht der Umsatz. Betriebsausgaben mindern ihn: Technik, Requisiten, anteilige Internet- und Handykosten, Software, Fahrtkosten zu Shootings. Maßgeblich ist der Zufluss, also wann das Geld ankommt. Auszahlungen rund um den Jahreswechsel gehören deshalb genau geprüft.
Umsatzsteuer und Kleinunternehmerregelung
Unterhalb bestimmter Umsatzgrenzen kannst du als Kleinunternehmerin auftreten. Dann stellst du keine Umsatzsteuer in Rechnung, verzichtest im Gegenzug aber auf den Vorsteuerabzug.
Seit 2025 gelten neue Grenzen: höchstens 25.000 Euro Umsatz im Vorjahr und höchstens 100.000 Euro im laufenden Jahr. Die zweite Grenze ist hart – schon der Umsatz, mit dem du sie überschreitest, wird regulär besteuert, nicht erst das Folgejahr. Die Einzelheiten stehen unter Kleinunternehmerregelung für Creator. Bei Leistungen an eine ausländische Plattform gelten außerdem Besonderheiten, für die oft eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nötig ist. Verlass dich hier nicht auf Forenbeiträge von vor drei Jahren, sondern auf den aktuellen Stand deines Steuerberaters.
Die Gewohnheit, die dich rettet
Steuern kommen zeitversetzt. Im ersten Jahr fließt Geld und nichts wird fällig, im zweiten kommen Bescheid und Vorauszahlungen gleichzeitig. Genau dann geraten viele in Schwierigkeiten, weil das Geld ausgegeben ist.
Die Lösung ist unspektakulär: ein eigenes Konto, auf das bei jeder Auszahlung sofort ein fester Anteil wandert und das für nichts anderes da ist. Welcher Anteil zu deiner Lage passt, rechnet dir dein Steuerberater aus. Was bei typischen Beträgen an Einkommensteuer anfällt, zeigen die Beispielrechnungen für 2026.
Was du von Anfang an aufheben solltest
Alle Auszahlungsbelege der Plattform, Kontoauszüge, Rechnungen über Ausrüstung und Software, Nachweise über Wechselkurse. Eine digitale Ablage nach Monaten reicht, sie muss nur lückenlos sein. Nachträglich rekonstruieren ist teuer und nervenaufreibend.
Wenn du nebenbei angestellt bist
Dann kommen die selbständigen Einkünfte zu deinem Gehalt dazu und können den Steuersatz auf das Gesamteinkommen anheben. Die Krankenversicherung läuft meist weiter über den Job, solange die Selbständigkeit nebenberuflich bleibt, doch die Grenzen dafür sind eigene Prüfpunkte.
Ein Blick in den Arbeitsvertrag lohnt außerdem: Manche Verträge verlangen, dass Nebentätigkeiten gemeldet werden.
Wenn du dabei nicht allein dastehen willst
Wir arbeiten mit Steuerberatern zusammen, die digitale Einkünfte und Auslandsplattformen kennen, und begleiten Creator beim Aufsetzen der Struktur von der Anmeldung bis zur ersten Erklärung. In einem Erstgespräch klären wir, was in deinem Fall ansteht.
Quellen
- § 15 EStG — Einkünfte aus Gewerbebetrieb
- § 32a EStG — Einkommensteuertarif mit dem Grundfreibetrag
- § 35 EStG — Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer
- § 11 GewStG — Freibetrag von 24.500 Euro für Einzelunternehmer
- § 19 UStG — Kleinunternehmer — die Grenzen von 25.000 und 100.000 Euro seit 2025
- § 14 GewO — Anzeige des Gewerbes
- ELSTER: Fragebogen zur steuerlichen Erfassung — der Weg, über den die Anmeldung beim Finanzamt läuft
- Bundeszentralamt für Steuern: Umsatzsteuer-Identifikationsnummer
Offene Fragen zu deinem Fall?
Schick uns kurz deine Angaben – wir melden uns in der Regel innerhalb von 24 Stunden für ein unverbindliches, vertrauliches Erstgespräch.
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